K I N D H E I T
Die Kindheit strickt ein Mäntelchen.
Wie soll sie das vollbringen?
Sie strickt und strickt so wie sie kann.
Du bist und wächst und lebst heran.
 
Nun bist du groß und schaust herab.
Wie kratzt und juckt die Wolle.
Die Ärmchen eng und viel zu kurz,
der Rücken kalt und ungeschützt.
 
Vielleicht bist du zu sehr geschreckt
und kannst den Blick nicht wenden.
Von deinem Elend Mäntelchen,
es sollt doch anders werden.
 
Warum nur ist es eng und klein?
Es wärmt nicht und kneift weh!
Er-wachsen heißt: nun sage mal
der Kindheit schön ade.
 
Ich sagte dir, die Kindheit strickt,
sie strickt so wie sie kann.
Es ging nur so, sie lernte nicht,
wie LIEBE stricken kann.
 
So schaue hin, was kannst du tun,
so schaue, was ist DEIN?
Du   T R U G E S T   diesen Mantel nur,
es sollt nicht deiner   S E I N  !
 
Das Mäntelchen ist ein Versuch, 
das Leben neu zu stricken.
Nun sind wir groß und halten fest 
und können nicht entwickeln.
 
Nimmst du den losen Faden 
und lösest alles auf,
so bleibt die kratzig Wolle
und Altes nimmt den Lauf.
 
Du kannst es auch zerschneiden
mit Ablehnung und Wut.
Und eines Tages siehst du,
so läßt du es nicht los.
 
Nun gehe hin und webe
den Faden, der ist DEIN.
Und strick der Welt die Mäntelchen,
die deine werden sein.